Racing Rules 2013 - Was ist neu ab 1.1.2013

Einleitung

Hier findest du alle relevanten Änderungen die ab 1.1.2013 gültig sind. Zum Verständnis der folgenden Texte sind gute Regelkenntnisse erforderlich.

Wie immer nutzt die ISAF die Neuerscheinung der Wettfahrtregeln, um Unklarheiten und Fragen, die in den vergangenen vier Jahren aufgetaucht sind in den Text der Wettfahrtregeln einzubauen. Vieles was sich in den neuen Wettfahrtregeln findet, ist schon vorher in den ISAF Interpretationen bzw. in den Cases eindeutig geklärt worden und bringt deshalb keine Änderungen im Spiel. Viele Änderungen betreffen Fehler in den alten Regeln, auf die bisher überhaupt noch niemandem aufgefallen sind (oder wusstest du z.B., dass du nach der alten Definition für Zieldurchgang, bereits beim ersten Durchfahren der Ziellinie durchs Ziel gegangen bist, auch wenn der Kurs noch zwei weitere Runden vorsah). Einige Regeln wurden komplett umgeschrieben (z.B. Regel 69), sind aber inhaltlich gleich geblieben.

Manches wurde aber auch geändert, weil man tatsächlich eine inhaltliche Änderung machen wollte. Und genau auf diese Änderungen wollen wir uns hier konzentrieren. Es geht hier nicht um klarere Formulierungen, sondern nur um die Punkte, die für dich als Segler wichtig sind.

Wie auf unseren Regelseiten üblich wird der Originaltext der Wettfahrtregeln in grüner Schrift dargestellt. Die deutschen Übersetzungen der Regeländerungen sind derzeit noch inoffiziell, da bis jetzt keine offizielle Übersetzung vorliegt.

 

Erstmals hat auch die offizielle ISAF Internetadresse für Regeln Eingang in die Wettfahrtregeln gefunden:
sailing.org/racingrules/documents

Grundprinzipien

Neues Grundprinzip: Environmental Responsibility / Verantwortung für die Umwelt

Participants are encouraged to minimize any adverse environmental
impact of the sport of sailing.

Deutsch: Alle Beteiligten am Segelsport werden ermutigt jegliche nachteilige Belastung der Umwelt durch den Segelsport so gering wie möglich zu halten.

 

Definitionen

Keep Clear / Freihalten

A boat keeps clear of a right-of-way boat
(a) if the right-of-way boat can sail her course with no need to take avoiding action and,
(b) when the boats are overlapped, if the right-of-way boat can also change course in both directions without immediately making contact.

Deutsch: Ein Boot hält sich von einem Wegerechtboot frei,
a)wenn das Wegerechtboot seinen Kurs segeln kann, ohne Ausweichmaßnahmenergreifen zu müssen und
b)bei überlappenden Booten wenn das Wegerechtboot außerdem den Kurs in beide Richtungen ändern kann, ohne dass es sofort zur Berührung kommt.

Bei dieser Definition wurde der Absatz (b) geändert und gilt jetzt nicht nur für Boote mit Wind von der selben Seite

In diesem Fall ist muss sich Blau freihalten von Gelb. Segelten beide Boote gerade weiter käme es zu keiner Berührung. Da aber Gelb bei der geringsten Kursänderung Blau berühren würde, hält sich Blau nach obiger Definition nicht frei von Gelb.

 

 

Mark / Bahnmarke

An object the sailing instructions require a boat to leave on a specified side, and a race committee boat surrounded by navigable water from which the starting or finishing line extends. An anchor line or an object attached temporarily or accidentally to a mark is not part of it.

Deutsch: Ein Gegenstand, bei dem die Segelanweisungen verlangen, dass ein Boot ihn auf einer angegebenen Seite lassen muss und ein Wettfahrtleiterboot, das von schiffbarem Wasser umgeben und Start- , oder Ziellinienbegrenzung ist. Eine Ankerleine, oder ein zeitweilig oder zufällig an der Bahnmarke hängender Gegenstand gehören nicht dazu.

Durch den Wegfall des einen kleinen Wortes dürfen nun auch Bojen, Fender etc., die zum Schutz des Startbootes am Startboot montiert wurden, oder als Begrenzung mittels einer Leine hinter dem Startboot hängen, nicht mehr berührt werden.

Mark-Room / Bahnmarken-Raum

Room for a boat to leave a mark on the required side. Also,
(a) room to sail to the mark when her proper course is to sail close to it, and
(b) room to round the mark as necessary to sail the course.
However, mark-room for a boat does not include room to tack unless she is overlapped inside and to windward of the boat required to give mark-room and she would be fetching the mark after her tack.

Deutsch: Bahnmarkenr-Raum ist der Raum für ein Boot um eine Bahnmarke auf der vorgeschriebenen Seite zu lassen. Außerdem
(a) der Raum um zur Bahnmarke zu segeln, wenn sein richtiger Kurs ist nahe an der Bahnmarke zu segeln, und
(b) der Raum um die Bahnmarke zu runden, wie es zum Absegeln der Bahn notwendig ist.
Jedoch schließt Bahnmarken-Raum nicht den Raum zum Wenden für ein Boot ein, außer es überlappt innen und in Luv mit einem Boot das ihm Bahnmarken-Raum geben muss und wenn es nach der Wende die Bahnmarke anliegen kann.

Die neue Definition ist klarer und beseitigt einige Zweideutigkeiten. Inhaltlich hat sich eigentlich wenig geändert.

Party / Partei

A party to a hearing is
(a) for a protest hearing: a protestor, a protestee;
(b) for a request for redress: a boat requesting redress or for which redress is requested, a race committee acting under rule 60.2(b);
(c) for a request for redress under rule 62.1(a): the body alleged to have made an improper action or omission;
(d) a boat or a competitor that may be penalized under rule 69.2.
However, the protest committee is never a party.Room for a boat to leave a mark on the required side. Also,

Deutsch: Partei in einer Protestverhandlung ist:
(a) für eine Protestverhandlung: Ein Protestführer, ein Protestgegner;
(b) für einen Antrag auf Wiedergutmachung: ein Boot, das Wiedergutmachung beantragt, oder für das Wiedergutmachung beantragt wird, eine Wettfahrtleitung, die nach Regel 60.2.(b) handelt;.
(c) für einen Antrag auf Wiedergutmachung nach Regel 62.1.(a): Das Gremium, von dem behauptet wird, dass es eine unsachgemäße Handlung oder Unterlassung veranlasst hat;
(d) ein Boot oder Teilnehmer, die nach Regel 69.2. bestraft werden könnten.
Das Schiedsgericht ist jedoch niemals eine Partei.

In der neuen Definition wird klargestellt, dass ein Schiedsgericht zwar nach wie vor in Proteste als Beteiigte involviert sein kann, jedoch niemals eine Partei mit den in Teil 5 geregelten Rechten und Pflichte einer Partei sein kann, da diese mit den Aufgaben des Schiedsgerichtes unvereinbar wären.

Zone / Zone

The area around a mark within a distance of three hull lengths of the boat nearer to it. A boat is in the zone when any part of her hull is in the zone.

Deutsch: Der Bereich um eine Bahnmarke innerhalb eines Abstandes von drei Rumpflängen des Bootes, das ihr näher ist. Ein Boot ist in der Zone, wenn irgendein Teil seines Rumpfes in der Zone ist.

Die Möglichkeit die Größe der Zone durch Segelanweisungen zu ändern, entfällt.

 

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Teil1 - Fundamental Rules / Grundregeln

In diesem Teil gibt es keine für die Segler wesentlichen Änderungen.

Teil 2 - When Boats Meet / Begegnung mit Booten

Rule 22.3 (früher 21.3). Moving Astern / Rückwärts segeln

A boat moving astern through the water by backing a sail shall keep clear of one that is not.

Deutsch: Ein Boot, das sich durch Backhalten eines Segels rückwärts durchs Wasser bewegt, muss sich von einem Boot freihalten, das dies nicht tut.

"Trough the water" wurde hinzugefügt, da es in Strömungsrevieren durchaus vorkommen kann, dass die Bewegungsrichtung durchs Wasser und über Land unterschiedlich sind. Speziell wenn bei einem Amwindstart die Strömung von hinten andrückt und Teilnehmer versuchen durch Backhalten der Segel hinter der Startlinie zu bleiben.

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Teil 3 - Conduct of a race / Durchführung einer Wettfahrt

In diesem Teil gibt es keine für die Segler wesentlichen Änderungen.

Teil 4 - Other Requirements when Racing / Weitere Erfordernisse in einer Wettfahrt

Rule 41 Outside Help / Hilfe von außen

Die Ausnahmen wurden erweitert. Jetzt darf nicht nur kranken, oder verletzten Crewmitgliedern geholfen werden, sondern auch Crewmitgliedern in Gefahr. Das erlaubt Rettungsbooten einen über Bord gegangenen sofort aufzunehmen, ohne dass er sich dagegen wehrt, damit die Wettfahrt nicht gefährdet ist.. Sollte ein Boot durch diese Hilfe einen erheblichen Vorteil haben, kann man dagegen protestieren und die Jury kann eine Strafe verhängen, die auch geringer sein kann, als eine Disqualifikation.

Rule 42 Propulsion / Vortrieb

Die Ausnahmen wurden erweitert. Bisher war es nicht erlaubt nach einer Wende oder Halse ein Segel mehrfach zu Pumpen, um verkehrt gewölbte Latten in die richtige Lage zu bringen. Das ist jetzt erlaubt, wenn dadurch nicht zusätzlicher Vortrieb generiert wird:

(e) If a batten is inverted, the boat's crew may pump the sail until the batten is no longer inverted. This action is not permitted if it clearly propels the boat.

Deutsch: e) Wenn eine Segellatte verkehrt gewölbt ist, darf die Mannschaft das Segel pumpen, bis die Segellatte nicht länger verkehrt gewölbt ist. Diese Handlung ist nicht erlaubt, wenn sie das Boot klar vorantreibt.

Eine weitere Änderung, betrifft Ausnahme (c) Wellenreiten. Bisher war in dieser Regel von der Leeseite einer Welle die Rede, jetzt von der Wellenvorderseite. Das bedeutet: Unabhängig von der Richtung der Welle darf einmal gepumpt werden, um den Gleitzustand einzuleiten. Das gilt jetzt auch, wenn diese Welle aus einer gänzlich anderen Richtung als der Wind kommt und auch dann, wenn diese Welle andere Ursachen als Wind hat, zum Beispiel Wellen eines Motorbootes.

Rule 52 Manual Power / Handbetrieb

Hier wurde im Text "von Hand eingestellt" mit "durch die Kraft der Mannschaft" ersetzt. Damit ist nun auch sprachlich klar, was in der Realität immer der Fall war, nämlich dass die Mannschaft jeden Teil ihres Körpers einsetzen darf, um das Schiff zu bedienen. Meiner Meinung nach eher ein Problem der deutschen Übersetzung, denn im anglikanischen Raum ist klar, was mit "manual power" gemeint ist.

New Rule 55 Trash Disposal / Neue Regel 55 Abfallbeseitigung

A competitor shall not intentionally put trash in the water.

Deutsch: Ein Teilnehmer darf absichtlich keinen Abfall ins Wasser geben.

Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber jetzt kann so eine Gedankenlosigkeit auch bestraft werden. Es ist auch gängige Praxis, dass bei offiziellen Booten Müll deponiert werden kann, auch dann wenn es in den Segelanweisungen nicht ausdrücklich vorgesehen ist. Diese Regel gilt im Gegensatz zu allen anderen Regeln des Teils 4 zu jeder Zeit wenn Boote am Wasser sind.

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Part 5 Protests, Redress, Hearings, Misconduct and Appeals
Teil 5 Proteste, Wiedergutmachung, Verhandlungen, Fehlverhalten und Berufungen

Rule 60 Right to Protest / Das Recht zu protestieren

Bisher konnte ein Boot gegen einen Teilnehmer, der Regel 31 (Berührung einer Bahnmarke) verletzt hatte auch dann protestieren, wenn er den Vorfall nicht selbst gesehen hatte. Der Grund dafür war, das Regel 31 nicht zum Teil 2 (Begegnung von Booten) gehört, sondern zum Teil 3. Durch die explizite Nennung der Regel 31 zusätzlich zum gesamten Teil 2 ist jetzt ein Protest wegen einer Bojenberührung nur mehr erlaubt, wenn der Teilnehmer den Vorfall selbst gesehen hat.

Rule 61.1. Informing the Protestee / Benachrichtigung des Protestgegners

Ein neuer Unterpunkt (3) stellt klar, dass der Protestgegner auch bei einem Protest wegen nicht korrektem Absegeln der Bahn vor dem Zieldurchgang, oder bei der ersten zumutbaren Gelegenheit nach dem Zieldurchgang informiert werden muss (Das Zeigen der Protestflagge und das Rufen von "Protest" ist in diesem Fall nicht erforderlich).  

Rule 62 Redress/Wiedergutmachung

Die im folgenden Text rot dargestellten Wörter wurden im Regeltext hinzugefügt.

62.1 A request for redress or a protest committee's decision to consider redress shall be based on a claim or possibility that a boat's score in a race or series has been or may be, through no fault of her own, made
significantly worse by
(a) an improper action or omission of the race committee, protest committee, organizing authority, equipment inspection committee or measurement committee for the event, but not by a protest committee decision when the boat was a party to the hearing;

Deutsch: Ein Antrag auf Wiedergutmachung oder die Entscheidung eines Schiedsgerichts, Wiedergutmachung in Betracht zu ziehen, muss sich auf die Behauptung oder Möglichkeit gründen, dass die Wertung eines Bootes in einer Wettfahrt oder Wettfahrtserie ohne eigenes Verschulden erheblich verschlechtert wurde oder eventuell wird durch
a) eine unsachgemäße Handlung oder Unterlassung der Wettfahrtleitung, des Schiedsgerichts, des Veranstalters, der Ausrüstungskontrolleure oder der Vermesser der Veranstaltung , aber nicht eine Entscheidung des Schiedsgerichts, wenn das Boot Partei bei der Verhandlung war;

Diese Regel wurde um zwei wesentliche Elemente erweitert. Klar ist nun, dass auch Wiedergutmachung auf Grund von Handlungen der Vermesser, oder Ausrüstungskontrollore verlangt werden kann. Aber auch die zweite Änderung ist wesentlich und bedeutet, dass man auch vor den Wettfahrten schon Wiedergutmachung verlangen kann. Ein Beispiel dazu wäre, wenn eine grobe Benachteiligung eines Teilnehmers auf Grund des Textes der Segel Anweisungen gegeben ist.

Rule 70 Appeals and Requests to a National Authority / Berufungen und Anträge an den Nationalen Verband

Die im folgenden Text rot dargestellten Wörter wurden im Regeltext hinzugefügt.

70.1
(a) Provided that the right of appeal has not been denied under rule 70.5, a party to a hearing may appeal a protest committee’s decision or its procedures, but not the facts found.
(b) A boat may appeal when she is denied a hearing required by rule 63.1.

Deutsch: 70.1.
(a) Unter der Voraussetzung, dass das Recht auf Berufung nicht gemäß Regel 70.5. ausgeschlossen ist, kann eine Partei gegen die Entscheidung eines Schiedsgerichtes oder seine Verfahrensweise, aber nicht gegen den ermittelten Sachverhalt Berufung einlegen.
(b) Ein Boot kann eine Berufung einlegen, wenn ihm eine nach Regel 63.1 geforderte Verhandlung verweigert wurde.

Damit ist jetzt klar, dass nicht nur gegen einen Protest berufen werden kann, sondern auch gegen "keinen Protest" ;-)

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Teil 6: Entry and Qualification / Meldung und Qualifikation

Rule 76.1 Exclusion of Boats or Competitors / Ausschluss von Booten oder Teilnehmern

Regel 76.1. wurde um folgenden Satz erweitert:

On request the boat shall promptly be given the reason in writing. The boat may request redress if she considers thatthe rejection or exclusion is improper.

Deutsch: Auf Antrag muss dem Boot die Begründung unverzüglich schriftlich gegeben werden. Das Boot kann Wiedergutmachung beantragen, wenn es der Meinung ist, dass das Zurückweisen oder der Ausschluss nicht angemessen ist.

Damit ist die Macht der Veranstalter eingeschränkt, ungeliebte Teilnehmer von einer Veranstaltung auszuschließen.

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Appendices/Anhänge

Hier wird nur auf die Anhänge, die für Fleetrace relevant sind eingegangen, für alle Anderen gibt es Spezialisten, die sich wesentlich besser auskennen, als wir.

Anhang A - Scoring / Wertung

Es gibt nur mehr Low-Point-System. Es ist aber kein Problem, andere Wertungssysteme zu verwenden. Müssen nur in der Ausschreibung angegeben und beschrieben werden.

Außerdem wird in den Ergenislisten nun RET statt RAF verwendet und zusätzklich gibt es DPI (Discretionary penalty imposed / Ermessensstrafe).

Anhang G - Identification on Sails / Kennzeichnung der Segel

Keine Änderungen

Anhang H - Weighing Clothing and Equipment / Wiegen der Kleidung

Keine Änderungen

Anhang J -NoR und SI

Keine wesentlichen Änderungen. Nur geringe Ergänzungen.

Anhang K und L - Notice of Race und Sailing Instruction Leitfäden

Neue Startstrafe "U" als alternative zu schwarzer Flagge. Wie Schwarz, aber keine Disqualifikation, wenn das Rennen nochmals gestartet wird (z.B. nach Abbruch, oder Allgemeinen Rückruf)..

Orange Flagge jetzt 5 Minuten vor dem Ankündigungssignal.

Anhang M - Empfehlungen für Schiedsgerichte

Erstmals wird hier definiert was genau man unter neuen Beweismitteln versteht:

Evidence is 'new'
if it was not reasonably possible for the party asking for the reopening to have discovered the evidence before the original hearing,
if the protest committee is satisfied that before the original hearing the evidence was diligently but unsuccessfully sought by the party asking for the reopening, or
if the protest committee learns from any source that the evidence was not available to the parties at the time of the original hearing.

Anhang P - Special Procedures for Rule 42 / Besondere Verfahren zu Regel 42

Flagge Oskar darf nun auch nach dem Startsignal gesetzt bleiben.

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