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Ein Blick auf unseren Regel Crashkurs könnte sich dennoch lohnen.

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Burgenland Sport

 

Start

Der Start ist meist entscheidend für das Endresultat einer Wettfahrt. Mit einem schlechten Start und einer schlechten Nachstartphase ist das Rennen gelaufen.

Möglicherweise können wir mit gutem Speed und guter Taktik noch etliche Boote überholen, aber die Spitzengruppe werden wir erst wiedersehen, wenn sie uns am Vorwindkurs entgegenkommt. Weil der Start so wichtig ist, werden wir uns sehr ausgiebig auf dieser Seite mit allen Aspekten des Starts beschäftigen.

Startphasen

von
bis
Aufgabe/Ziel
Startvorbereitung
>-60
-10
Informationen sammeln, Plan erstellen
Vorstartphase
-10
-1
Platzierung an der Startlinie
Start
-1
0
mit bestmöglichem Speed, an der geplanten Stelle, so nah an der Startlinie wie möglich
Nachstartphase
0
5
Vorteile sichern, nach schlechtem Start recovern

 

Die einzelnen Phasen eines Starts entsprechen der Kapiteleinteilung dieser Seite.

 

Startvorbereitung

Diese Phase beginnt mit dem Eintreffen ins Regattagebiet und dauert bis ca. 10 Minuten vor dem Start. Von vielen Regattaseglern wird die Wichtigkeit dieser Phase unterschätzt. Oft kommen Segler sehr spät im Startgebiet an, speziell bei stärkerem Wind. Die Begründung dafür ist oft: "Ich will mich nicht schon vorher auspowern" oder "Warum soll ich meine Segel kaputt machen?"

Speziell ganz junge Segler finden es cool noch auf der Slip zu stehen, wenn alle schon ins Startgebiet segeln. Beobachte einmal deine Vorbilder. Wenn es um etwas geht, werden sie die ersten am Wasser sein. Zeit lassen sie sich nur, wenn ihnen die Wettfart nicht wichtig ist, oder ohnedies niemand dabei ist, der ihren Sieg gefährden könnte. Aber bist du so gut?

Warum sind gute Segler bei wichtigen Wettfahrten so früh am Wasser?

Einfach deshalb, weil es vor den Wettfahrten eine Fülle von Tätigkeiten gibt, die erledigt werden müssen und die Zeit ohnedies meistens zu knapp wird. Unnötiger Stress ist das letzte was man bei einem Start braucht. Die Adrenalinkonzentration im Blut ist beim Start sowieso schon hoch genug.

Wann sollten wir nun im Startgebiet sein? 30 Minuten vor dem Start, 60 Minuten vor dem Start? So einfach ist das nicht zu beantworten. Wie immer kommt es darauf an. Wie lange vor dem Start legt der Wettfahrtleiter üblicherweise seinen Kurs, wie ist die Startreihenfolge, wie schwierig ist das Revier, ist Strom zu erwarten, haben wir einen Betreuer am Wasser der uns beim Sammeln von Informationen unterstützt, oder sind wir auf uns allein angewiesen? Alle diese Aspekte sind wichtig, um den richtigen Zeitpunkt des Auslaufens zu finden. Es macht natürlich auch keinen Sinn in der Kälte draußen zu warten, wenn noch nicht einmal genau feststeht, wo und wann gesegelt wird.

Wann müssen wir also im Startgebiet sein? Die einzige richtige Antwort ist: rechtzeitig. Rechtzeitig um alle erforderlichen Information zu sammeln um unseren Plan für die Wettfahrt zu erstellen.

Wir dürfen nicht vergessen, wir sprechen hier nur von Taktik. Iin der Startvorbereitungszeit müssen wir aber zusätzlich auch noch unser Schiff an die herrschenden Bedingungen anpassen und in Abhängigkeit von der Bootsklasse, die wir segeln, die richtigen Segel für die herrschenden Bedingungen auswählen. Auch das braucht seine Zeit.

Informationen sammeln

gehört zur ersten Aufgabe in der Startvorbereitung. In den meisten Fällen werden die Bahnmarken noch nicht ausgelegt sein, wenn wir im Regattagebiet eintreffen. Wir nutzen die Zeit um uns ein wenig mit Meteorologie zu beschäftigen. Stimmt Windstärke und Windrichtung mit dem Wetterbericht überein,, wie ist das Wolkenbild?

Wenn unsere Beobachtungen mit dem Wetterbericht übereinstimmen, können wir mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass auch die weiteren Informationen, die wir dem Wetterbericht entnommen haben, stimmen.

Für unseren Plan brauchen wir aber mehr Informationen: Pendelt der Wind um eine konstante Windrichtung oder dreht der Wind gleichmäßig in eine Richtung? Möglicherweise dreht der Wind in eine Richtung, aber diese stetige Drehung wird durch Pendeln überlagert. Auf welcher Seite der Bahn ist mehr Wind? Gibt es Landeinflüsse? Zum Beispiel: Abdeckungszonen bzw. Ablenkungen durch die Uferformation.

Wie bekommen wir all diese Informationen? Da wir selten Betreuer am Wasser zu Verfügung haben, sind wir meistens auf uns selbst angewiesen diese Informationen zu beschaffen. Aber auch wenn unser Coach alle Daten sammelt, sollten wir uns nicht blind auf ihn verlassen, sondern unsere eigenen Beobachtungen und Aufzeichnungen machen. In der Vorstartbesprechung gleichen wir unsere und seine Aufzeichnung und Schlussfolgerungen ab. Bewährt hat sich in der Praxis alle 5 Minuten die Windrichtung zu bestimmen und aufzuschreiben. Falls unsere Instrumente gut genug kalibriert sind, können wir uns auf die True Wind Direction Anzeige verlassen. Genauer wird es in den meisten Fällen sein, das Boot gegen den Wind zu stellen und mit dem Kompass zu arbeiten. Falls wir den Wendewinkel unseres Schiffes bei den herrschenden Bedingungen kennen, ist es nicht einmal erforderlich das Boot gegen den Wind zu stellen, sondern wir notieren uns einfach den Kurs auf dem wir segeln. Den angenommenen Wendewinkel können wir überprüfen, wenn wir unmittelbar nach dem Notieren des Kurses eine Wende fahren und den neuen Kurs nach der Wende notieren. Aber Achtung: Zuerst muss das Schiff seine Zielgeschwindigkeit für die herrschenden Bedingungen erreicht haben.

WindtabelleRechts sehen wir das Beispiel einer Aufzeichnung. Das leere Aufzeichnungsformular findest du im Download Bereich. Dort findest du auch ein Excel-Sheet welches die Windrichtung und einfache Graphik automatisch berechnet. Einen Musterausdruck dieses rechnenden Excelblattes kannst du hier sehen.

Musterausdruck Windtabelle

Wenn wir nun über einige Zeit diese Daten gesammelt haben, bleibt uns nur noch die Aufgabe diese Daten zu Informationen zu verarbeiten. Aus einer einfachen Graphik, die man auch auf der hohen Kante erstellen kann, lassen sich nun schon Informationen erkennen. Zum Beispiel: Hauptwindrichtung 20 Grad, Wind pendelt um je 10 Grad um die Hauptwindrichtung. Amplitude ca. 4 Minuten, Stärke konstant ca. 12 Knoten

 

 
Jedenfalls sollten wir jetzt wissen (oder zumindest glauben zu wissen) womit wir es zu tun haben:
In Bezug auf die Windrichtung:
In Bezug auf die Windstärke:
In Bezug auf die Strömung:

Das sind schon eine Menge an Informationen, die wir unseren Konkurrenten voraus haben, die erst jetzt im Regattagebiet ankommen. Ist das nicht ein angenehmes Gefühl seinen Gegnern immer einen Schritt voraus zu sein?

Wenn nun der Kurs liegt, warten wieder viele neue Herausforderungen auf uns.

Wie weit liegt der Kurs unter Land? Müssen wir mit Landeinflüssen rechnen? Können wir alle Bahnmarken erkennen? Falls etwas unklar ist, können wir auch jemanden von der Regattaleitung, oder einen uns freundlich gesinnten Gegner fragen. Gegen Ende der Startvorbereitung sollten wir uns intensiv mit der Lage der Startlinie auseinandersetzen.

Bevorzugte Startlinienseite festlegen

Nun ist es an der Zeit festzustellen, wie die Linie zur mittleren Windrichtung liegt. Aus der vorigen Phase sollte uns bekannt sein, wie der Wind sich entwickeln wird. Davon abhängig ist unsere bevorzugte Seite der Startlinie. Solange die Luvbahnmarke nicht mit einem Schlag erreicht werden kann, ist es unerheblich, ob die Luftlinie vom Startboot zur Luvbahnmarke oder vom Pinend zur Luvbahnmarke kürzer ist. Entscheidend ist nur, wie die Startlinie zum Wind liegt. Trifft der Wind von links auf die Linie, ist das Pinend bevorzugt, trifft er von rechts auf die Linie, ist die Seite des Startbootes bevorzugt.

Abbildung 101Die folgende Abbildung zeigt, dass das beim Pinend gestartete Boot einen Vorteil gegenüber dem beim Startboot gestarteten Boot hat. Kurz nach dem Start sichert Grün den Startvorsprung durch eine Wende und den darauf folgenden Schlag nach rechts ab. Die Lage der ersten Wendemarke ist wie schon vorhin gesagt unerheblich.

 

 

 

 

Allerdings stimmt das vorhin gesagte nur dann, wenn der Wind in Bezug auf die mittlere Windrichtung von links kommt. In der folgenden Animation sehen wir ein Szenario das mindestens 90 Prozent der Teilnehmer täuschen würde. Diese 90 Prozent wären der Meinung der Wind trifft von links auf die Startlinie. Demnach wäre es nach obigen von Vorteil auf der linken Seite der Linie zu starten. Abbildung 103

 

Wie ist die Situation aber tatsächlich?

Der Wind pendelt um jeweils 20 Grad nach links bzw. rechts. Die mittlere Windrichtung ist aber 10 Grad rechts zur Startlinie. Kurz vor dem Start pendelt der Wind nach links. Alle versuchen noch schnell das Pinend der Linie zu erreichen, um den vermeintlichen Vorteil zu lukrieren. Direkt beim Startschuss dreht der Wind in Richtung Hauptwindrichtung. Letztendlich kann Rot von seinem Start auf der rechten Seite profitieren und wird vor Grün die erste Tonne erreichen.

 

 

 

Peilungen nehmen

Da es sehr schwierig ist, von der Mitte der Startlinie zu erkennen, wie weit man von der Linie weg ist, ist es sinnvoll, wann immer es möglich ist, Landpeilungen zu nehmen. Durch eine Landpeilung ist es wesentlich leichter möglich abzuschätzen wie weit man von der Startlinie entfernt ist..Abgesehen davon, dass Landpeilungen nicht immer verfügbar sind, sind sie leider auch oft im entscheidenden Moment von anderen Booten verdeckt.

Abbildung 106

 

 

 

 

Pinend Peilung

Speziell wenn die Pinend Seite der Linie bevorzugt ist, ist es oft sinnvoll eine zusätzliche Peilung zu nehmen. Diese Peilung ermöglicht uns zu erkennen, ob wir uns rechts oder links der Layline zur Pinend Bahnmarke befinden. Üblicherweise wird sich vor dem Start ein Kampf um die Leeposition der Boote, die am Pinend starten wollen, entwickeln. Es gibt ja in diesem Fall nur einen optimalen Startplatz.

Die folgende Animation zeigt den typischen Verlauf eines Kampfes zweier Boote um die optimale Position am Pinend. Die Startlinie liegt schief zum Wind. Die linke Seite ist begünstigt.

Boot Rot hat den Kampf um die optimale Position nicht rechtzeitig abgebrochen und ist dadurch in die sogenannte "Todeszone" geraten, aus der es keine Möglichkeit zu entrinnen gibt. Boot Grün hat während der Vorbereitungszeit eine Peilung des maximal hohen Kurses zur Pinend Startbahnmarke genommen (Peilung zwischen dem verankerten Schlauchboot und der Boje). Da Grün rechtzeitig erkennt, dass eine Verteidigung des letzten Angriffs von Rot für beide Boote unterhalb der Layline enden würde, entscheidet Grün den letzten Angriff von Rot nicht mehr zu verteidigen und kann deshalb das Pinend gut anliegen und mit freiem Wind und voller Fahrt die Linie überqueren. Rot bleibt nichts anderes übrig als zu halsen und weit hinter Grün die Startlinie mit Wind von links zu überqueren. .

Die Pinend Peilung kann auch helfen, zu erkennen, dass noch ein Angriff gefahren werden kann, um die optimale Position zu erreichen. Ohne diese Peilung hätte man vielleicht den letzten Angriff nicht gestartet, aus Angst in die Todeszone zu geraten.

Elektronische Hilfsmittel

ProstartFalls von den Klassenbestimmungen erlaubt, ist es besser auf elektronische Hilfsmittel zuzugreifen, die den Abstand zur Startlinie anzeigen. Dabei ist zu beachten, dass die Genauigkeit von Smart Phones für ein sinnvolles Starttool derzeit in den meisten Fällen zu ungenau ist, Diese Geräte verfügen im Normalfall nicht über einen DGPS Chip. Ein Beispiel für ein preiswertes Gerät, das auch auf Jollen eingesetzt werden kann, ist das Velocitec ProStart.

 

 

 

 

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Vorstartphase

Diese Phase beginnt ca. 10 Minuten vor dem Start und dauert bis ca. 1 Minute vor dem Start. Wichtig ist in dieser Phase sich nie zu weit von der Startlinie zu entfernen.

Startlinie kontrollieren

Stimmen unsere Schlüsse noch, die wir bezüglich der Startlinie am Ende der Startvorbereitung gemacht haben? Wurde/wird die Startlinie noch verändert? Gerne verändern Wettfahrtleiter die Startlinie durch Verlängern, oder Verkürzen der Ankerkette. Das kann auch sehr dezent per Fernbedienung der Ankerwinsch gemacht werden. Also ist es notwendig, das Startschiff und das Pinend in dieser Phase genau zu beobachten.

Die Startlinie kann bis zum Vorbereitungssignal verändert werden und gute Wettfahrtleiter nützen diese Möglichkeit. Bei größeren Booten mit vielen Mannschaftsmitgliedern kann es sinnvoll sein, ein Crewmitglied dazu abzustellen zu beobachten, ob die Startlinie noch verändert wird.

Plan überprüfen

Stimmt mein Plan noch, oder hat sich etwas verändert? Muss ich meinen Plan modifizieren? Stimmt die Windrichtung noch mit meinen Aufzeichnungen überein? Gibt es andere Segelboote auf der Bahn zwischen Startlinie und Luvtonne? Welchen Wind haben sie? Hat sich das Wolkenbild verändert? Gibt es neue Informationen vom Trainer? Vor dem Vorbereitungssignal ist es auch noch erlaubt mit dem Trainer, der sich zu diesem Zeitpunkt irgendwo in der Mitte der Startkreuz befinden sollte, zu telefonieren. Möglicherweise kann er Aussagen darüber machen, wie intensiv die erste Winddrehung nach dem Start ausfallen wird und wann sie zu erwarten ist.

Wenn dein Plan einer Überprüfung stand hält, oder auf Grund der neuen Informationen modifiziert wurde, solltest du jetzt wissen auf welche Seite du nach dem Start segeln willst. Ist dein Plan eher auf die linke, oder rechte Bahnseite zu fahren, oder eher in der Mitte der Bahn aufzukreuzen?

Wo sind meine Gegner?

Üblicherweise ist diese Frage am Beginn einer Serie weniger bedeutend, als gegen Ende, wo es oft nicht mehr gegen alle geht, sondern nur mehr gegen bestimmte Boote gesegelt werden muss. Dazu wird es ein eigenes Kapitel auf der Seite Verschiedenes.

Platzierung an der Startlinie

Ca. 3 Minuten vor dem Start sollte ich einen Plan haben, wie ich mich an die Startlinie annähere.

Wenn der Wind nur halbwegs von vorne auf die Linie auftrifft, sollten wir an einen Start mit Wind von links nicht einmal denken.

Wir starten also mit Wind von rechts. Als nächstes ist die Entscheidung zu treffen, wie wir uns an die Startlinie annähern. Es gibt hier zwei unterschiedliche Varianten, die beide ihre Vor- und Nachteile haben.

Der konventionelle Ansatz einer Annäherung an die Startposition von rechts hat den Nachteil, dass ich mich sehr früh entscheiden muss von welcher Position ich zur Startlinie zufahre. Will ich allerdings unbedingt früh auf die rechte Bahnseite, wäre es besser direkt beim Startschiff zu starten und eventuell sogar einen Start in der zweiten Reihe in Kauf zu nehmen. Damit habe ich den Vorteil direkt nach dem Start zur rechten Bahnseite wenden zu können (siehe die nächste Animation). Abbildung 101

Die Annäherung von links bietet viele Vorteile. Speziell, wenn ich vorhabe auf der rechten Startlinienseite zu starten, aber nicht unbedingt meine Startkreuz auf der äußerst rechten Bahnseite fahren möchte.

Die folgende Abbildung zeigt eine typische Verteilung der Boote an der Startlinie. Wir werden im Folgenden die Startposition jedes einzelnen Bootes analysieren:

Mit einem Doppelclick öffnest du die Graphik in einem eigenen Browserfenster und kannst dann zwischen Text und Graphik hin- und her switchen.

Boot 1
Situation:

Boot 1 nähert sich mit Wind von links an das Pinend an. Da die Startlinie neutral zum Wind liegt, hat dieses Boot keine Chance die Startlinie zu passieren. Boot 1 ist ausweichpflichtig gegenüber Boot 2 und Boot 3.

Optionen:

Boot 1 hat keine Möglichkeit hinter Boot 2 zu passieren, ohne Boot 3 zu behindern. Die einzige Option für Boot 1 ist eine rasche Wende. Eventuell kann gleich anschließend an die Wende abgefallen und eine Halse gemacht werden um hinter Boot 7 mit Wind von links die Startlinie zu passieren. Allerdings ist Boot 1 in diesem Fall wieder gegen eventuelle Nachzügler mit Wind von rechts ausweichpflichtig.

Was lernen wir daraus:

Diese oder eine ähnliche Position muss unbedingt vermieden werden. Dieses Boot hat durch die schlechte Annäherung schon lange Zeit vor dem Startsignal alle Chancen auf einen vernünftigen Start vertan.

Boot 2:

Situation:

Boot 2 befindet sich zwar in Lee von Boot 6 aber unterhalb der Layline zum Pinend. Direkt in Luv befindet sich Boot 6, gleich dahinter Boot 7.

Optionen:

Falls Boot 2 genügend Geschwindigkeit hat, gibt es eventuell die Möglichkeit durch einen Aufschießer die Startlinie zu kreuzen. Allerdings gibt es auch in diesem Fall zwei Probleme.

Erstes Problem: Boot 2 kann sich nicht von der Startbahnmarke freihalten und berührt sie. Es ist strittig, ob in diesem Fall die Möglichkeit einer Entlastung gemäß Regel 44.1a besteht, da Regel 44.1b besagt, dass eine Entlastung nicht erlaubt ist, wenn durch die Regelverletzung ein wesentlicher Vorteil erlangt wurde. Durch die Bahnmarkenberührung hätte Boot 2 In den meisten Fällen einen wesentlichen Vorteil erlangt gegenüber der Alternative in Lee der Pinend-Bahnmarke zu passieren.

Zweites Problem: Boot 6 befindet sich direkt in Luv. Nach Regel 11 ist Boot 6 zwar Luvboot und damit ausweichpflichtig. Allerdings ist Boot 2 durch Regel 16.1. in seiner Bewegungsfreiheit beschränkt und darf keine abrupte Kursänderung machen, die aber erforderlich wäre um sich von der Boje frei zu halten.

Demnach bleibt Boot 2 nur die Option den Start abzubrechen und in Lee an der Boje vorbeizufahren, abzufallen, bei der ersten Gelegenheit zu halsen, die erste Lücke der Boote, die mit Wind von rechts starten, auszunutzen und mit Wind von links über die Startlinie zu segeln.

Was lernen wir daraus:

Vermeide unbedingt am Pinend unterhalb der Layline zu segeln. Oft ist man so im Kampf um den optimalen Pinend Start vertieft, dass man noch einen Angriff oder eine Verteidigung fährt, um die beste Startposition am Pinend zu gewinnen und findet sich dann unterhalb der Pinend Layline wieder. Hilfreich ist in diesem Fall, wenn man eine sogenannte Pinend LaylinePeilung hat. Vergleiche dazu auch den Absatz Pinend Peilung. Möglicherweise ist Boot 2 beim Kampf mit Boot 6 um den besten Startplatz am Pinend etwas zu weit gegangen.

Boot 3

Situation:

Boot 3 ist ein sogenannter Spätstarter. Es ist beim Startsignal gute zwei Bootslängen hinter der Startlinie und segelt außerdem mit Wind von rechts unterhalb der linken Layline. Kein Boot befindet sich in seinem unmittelbaren Luv. Boot 3 hat Wendefreiheit.

Optionen:

Boot 3 kann wenden und dann, wenn andere Wegerechtsboote mit Wind von rechts ihr Wegerecht fordern, eine Leewende machen und mit relativ freiem Wind an die linke Seite des Kurses segeln. Eine weitere Möglichkeit wäre hinter den Wegerechtsbooten durchzutauchen und den Weg auf die rechte Bahnseite zu suchen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass Boot 3 auf die rechte Seite will. Hätte Boot 3 auf die rechte Seite gewollt, hätte er eine Startposition in der Nähe des Startschiffes gewählt. Außerdem ist der Distanzverlust durch mehrmaliges Abfallen, um hinter dem Heck der Wegerechtsboote zu passieren, so groß, dass es nicht mehr möglich sein wird den Anschluss an das Regattafeld zu finden.

Was lernen wir daraus:

Vermeide unbedingt am Pinend unter die Layline zu gelangen. Allerdings sind die Optionen in diesem Fall sogar besser als die von Boot 1 und Boot 2. Dadurch, dass Boot 3 zwei Bootslängen zu spät dran ist, hat es mehr Möglichkeiten, als Boot 1 und 2. Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass es generell besser ist, nicht an der Linie zu sein.

Boot 4

Situation:

Boot 4 segelt 4 Bootslängen hinter dem Startboot mit Wind von links.

Optionen:

Die einzige Option von Boot 4 ist, hinter dem Feld nach zu segeln. Der Skipper von Boot 4 ist entweder nicht regelkundig und versucht deshalb allen Konflikten aus den Weg zu gehen, oder er hat sich mit der Materie Regattasegeln noch nicht lange beschäftigt.

Was lernen wir daraus:

Bevor es zu einer Regatta geht, sollte man sich einerseits ein wenig mit der Materie auseinandersetzen und bei Trainingswettfahrten die Annäherung an die Startlinie üben. Eine Teilnahme an Regatten ohne theoretische Kenntnisse ist verlorene Zeit und hinausgeschmissenes Geld.

Boot 5:

Situation:

Boot 5 hat sich zu weit in Luv angenähert. Sein am Wind Kurs führt direkt ins Heck des Startschiffes. Bekanntlich gilt an Startbahnmarken der ganze Teil C (Raum an Bahnmarken und Hindernissen) der Wettfahrtregeln nicht. Boot 15 hat auf Grund von Regel 11 Wegerecht.

Optionen:

Boot 5 hat die Möglichkeit rasch anzuluven und in Luv des Startschiffes vorbeizufahren. Dann folgt eine Wende, eine Halse und ein neuer Start. Wie weit werden die guten Starter dann schon sein? Falls es sich um ein kleines und leichtes Boot handelt, gibt es eventuell auch die Möglichkeit das Boot komplett zu stoppen und zu warten bis Boot 15 passiert hat und dann zu starten. So wäre Boot 5 noch mit einem blauen Auge davongekommen.

Was lernen wir daraus:

Der Start an der optimalen Stelle kann schnell zum Albtraum werden. Nirgendwo ist es entscheidender das Risiko abzuwägen als am Start. Speziell bei einer neutral gelegten Startlinie wie dieser, ist es selten sinnvoll als erster in Lee des Startbootes starten zu wollen.

Boot 6

Situation:

Optimales Timing in der Vorstartphase ermöglicht Boot 6 einen perfekten Pinend Start. Das Boot hat freien Wind und Wendefreiheit.

Optionen:

Boot 6 kann nun seinen Plan perfekt umsetzten, ohne von einem anderen Boot an der Ausführung des Plans gehindert werden zu können.

Was lernen wir daraus:

Ein perfekter Start ist die halbe Miete. Besser geht es eigentlich nicht. Selbst ein Linksdreher kurz vor dem Start hätte Boot 6 auf Grund seiner Wendefreiheit keine Probleme bereitet.

Boot 7

Situation:

Boot 7 startet am Pinend, liegt aber unmittelbar hinter Boot 6. Boot 7 hat Wendefreiheit. Boot 7 hat sich nicht auf den letzten Zweikampf mit Boot 6 eingelassen, um nicht unter die Layline zu gelangen.

Optionen:

Boot 7 muss unmittelbar nach dem Start wenden, um den Abwinden von Boot 6 zu entkommen. Mit einer gekonnten Leewende unterhalb von Boot 9 könnte Boot 7 wieder freien Wind erlangen und auf der von ihm wahrscheinlich bevorzugten linken Bahnseite bleiben.

Was lernen wir daraus:

Dadurch das Boot 7 den Kampf mit Boot 6 um das Pinend rechtzeitig abgebrochen hat, kann es seinen Start retten und letztendlich nicht als erstes Boot, aber mit freiem Wind auf die von ihm bevorzugte Seite fahren.

Boot 8

Situation:

Boot 8 segelt mit Wind von links relativ unbedrängt aber nahezu zwei Bootslängen hinter der Linie am Ende des linken Drittels der Startlinie.

Optionen:

Obwohl Boot 8 den Start komplett verschlafen hat, bietet sich ihm bei einer schnellen Wende die Möglichkeit mit halbwegs freiem Wind die Startkreuz zu beginnen. Das ist mehr als man bei dieser Ausgangsposition erwarten konnte. Boot 7 wird Boot 8 nach seiner Wende nicht lange stören, da Boot 7 wenden wird, um den Abwinden von Boot 6 zu entgehen.

Was lernen wir daraus:

Wichtig ist, die Situation und das Verhalten beim Start vorauszusehen und schnell und aktiv zu handeln. Würde Boot 8 nicht erkennen, dass Boot 7 gleich wenden wird, hätte es mit seiner Wende noch etwas gewartet, um dessen Abwinde zu vermeiden und wäre dadurch in die Abwinde von Boot 9 und in der Folge in die Abwinde aller anderen Luvboote geraten. Es hätte kein Entrinnen mehr gegeben und das Rennen wäre verloren gewesen.

Boot 9

Situation:

Boot 9 startet ca. in der Mitte der Startlinie, ca. eine halbe Bootslänge hinter der Linie. Weder direkt in Luv noch direkt in Lee gibt es einen Gegner.

Optionen:

>Da Boot 9 in keinerlei Zweikämpfe verwickelt ist, hat es die Möglichkeit sich voll auf die maximale VMG zur Luvtonne zu konzentrieren. Keine anderen Boote können die Umsetzung seines taktischen Plans verhindern.

Was lernen wir daraus:

Liegt die Startlinie neutral, ist die Mitte der Startlinie eine gute Wahl. Die Wahrscheinlichkeit unbehelligt mit maximalem Speed über die Linie zu gehen ist hier deutlich größer, als an den Linienenden. Die halbe Bootslänge Rückstand ergibt sich daraus, dass von der Mitte aus der Abstand zur Startlinie nicht so leicht zu erkennen ist, wie an den Seiten.

Boot 10

Situation:

Boot 10 ist das am weitesten in Lee liegende Boot der in Luv startenden Gruppe. Beim Start liegt es nahezu eine halbe Bootslänge hinter der Linie, hat aber freien Wind.

Optionen:

Boot 10 kann sich auf seine optimale Geschwindigkeit konzentrieren. Der Versuch durch höher Segeln bei Boot 11 in die sichere Leestellung zu kommen ist riskant und könnte mit einem Überlaufen durch Boot 11 enden. Falls Boot 11 versucht durch schnelleres und tieferes Segeln Boot 10 in den Abwind zu bekommen, kann Boot 10 diesen Angriff durch Abfallen und ebenfalls Beschleunigen leicht abwehren. Obwohl Boot 10 in Lee des ersten Drittels der Startlinie gestartet ist, hat es keine Möglichkeit in absehbarer Zeit auf die rechte Bahnseite zu segeln.

Was lernen wir daraus:

Bei einer gut ausgelegten Linie ist es eine gute Wahl in Lee des Luvpulks zu starten. Allerdings nur dann, wenn man auf die linke Seite der Bahn will, oder in der Mitte aufkreuzen und die Winddreher mitnehmen will. Da man nicht über die exakten Peilungsmöglichkeiten der Boote an den Startlinienenden verfügt, wird man nicht so nah an der Linie sein, wie die Boote, die an den Enden gestartet sind. Deshalb ist es aus dieser Position meist einige Zeit nicht möglich nach rechts zu segeln, ohne hinter einigen anderen Booten passieren zu müssen und viele Meter zu verlieren.

Boot 11 und Boot 12:

Situation:

Diese beiden Boote befinden sich beim Startsignal zwar direkt an der Startlinie, sind aber zwischen Boot 10 und Boot 13 eingeklemmt.

Optionen:

Für diese Boote gibt es nur eines: volle Konzentration auf den Bootspeed. Mit exzellenter Bootsbeherrschung und Bootsgeschwindigkeit gibt es die Chance aus dieser Startposition herauszukommen, ohne in die Abdeckung eines der umklammernden Boote zu gelangen.

Was lernen wir daraus:

Im Pulk zu starten, sollten sich nur die Boote erlauben, die wissen, dass sie über eine ausgezeichnete Bootsgeschwindigkeit verfügen. Es ist immer wichtig, wer in Luv von uns startet. Falls sich Boot 12 absichtlich in Lee von einem eher schwächeren (Boot 13) zum Start aufgestellt hat, wird Boot 13 bald in den gestörten Wind von Boot 12 geraten und schnell zurückfallen. Dann hat Boot 12 alle Möglichkeiten.

Boot 13:
Situation:

Dieses Boot befindet sich beim Startsignal direkt an der Linie neben dem Startboot. In Lee voraus befindet sich Boot 12.

Optionen:

Boot 12 hat die Möglichkeit nahezu das gesamte Feld zu kontrollieren. Falls Boot 12 auf die recte Bahnseite segeln will, kann es sobald es an der Ankerkette vom Startboot vorbei kommt wenden und als erstes Boot mit freien Wind auf die rechte Bahnseite fahren. Falls Boot 12 eher in der Mitte der Bahn bleiben will, kann es weitersegeln und einen eventuell kommenden Lift abwarten, der falls der Wind nach links dreht (Header) wenden und nach rechts segeln. Das einzige Problem für Boot 13 stelt Boot 12 dar. Boot 13 könnte in den gestörten Wind von 12 gelangen. In diesem Fall müsste sich Boot 13 mit einer Wende befreien und ein Stück auf die rechte bahnseite segeln.

Was lernen wir daraus:

Das Boot an der Position neben dem Startboot in der ersten Reihe kann seine Startkreuzstrategie nahezu ohne Rücksicht auf die Gegner umsetzen. Aber auch wenn die Beschleunigugsphase nach dem Start mißlingt und es in den Abwind von boot 12 gelangt ist es sehr einfach sich aus dieser Situation zu befreien und seinen Plan weiter umzusetzen. Falls es gelingt diese Startposition zu erlangen kann kaum noch etws schiefgehen und ein Spitzenplatz in dieser Wettfahrt ist sicher. Aber dieser Platz ist hart umkämpft! Nur wirklich gute Starter sollten sich auf einen Kampf um diesen begehrten Platz einlassen. So scxhön es ist aus dieser Position zu starten, so schwierig ist es in diese Position zu gelangen und diese Position in der letzten Minuite vor dem Start zu verteidigen.

Boot 14:
Situation:

Boot 14 ist beim Startsignal gut eine Boootslänge hinter der Linie zweites Boot in Luv. Boot 13 deckt Boot 14 voll ab. Boot 14 wird es schwer haben nach dem Start zu beschleunigen. Außerdem befindet sich boot 15 leicht in Luv knapp dahinter. .

Optionen:

Sobald Boote 14 das Startschiff passiert hat, sollte es wenden und versuchen auf der rechten Bahnseite halbwegs freien Wind zu bekommen. Mit jedem weiteren Meter im Abwind von 13 und im gestörten Wind von 12 verliert 14 wichtige Zentimeter.

Was lernen wir daraus:

Falls die rechte Bahnseite bevorzugt ist, entweder durch stärkeren Wind, oder durch eine stetige Winddrehung nach rechts hat Boot 14 noch eine Chance den Anschluß zu finden. Nicht immer kann der optimale Start gelingen. Aber falls man sich nach dem Start in solch einer Position wiederfindet ist es wichtig so rasch als möglich die Kontrolle wieder zu erlangen und wieder nach dem zurechtgelegten Plan agieren zu können und nicht nur auf die Manöver der anderen Boote reagieren zu müssen.

Boot 15:
Situation:

Boot 15 ist beim Startsignal 2,5 Boootslängen hinter der Linie, kann aber direkt neben dem Startschiff starten, wenn auch mit etlichen Sekunden Rückstand.

Optionen:

Sobald Boote 15 das Startschiff passiert hat, sollte es wenden und versuchen auf der rechten Bahnseite halbwegs freien Wind zu bekommen. In der Mitte der Bahn wird es kaum möglich sein, ungestört zu segeln. Falls die rechte Bahnseite bevorzugt ist, entweder durch stärkeren Wind, oder durch eine stetige Winddreheung nach rechts

Was lernen wir daraus:

Falls die rechte Bahnseite bevorzugt ist, entweder durch stärkeren Wind, oder durch eine stetige Winddreheung nach rechts hat Boot 15 noch eine Chance den Anschluß zu finden. Falls man überzeugt ist, dass die rechte Bahnseite besser ist kann so ein Start durchaus eine Option sein, falls es keine Chance gegeben hat in der Vorstartphase einen Platz näher an der Linie, aber trotzdem neben dem Startschiff zu erobern. An allen anderen Startlinienpositionen besteht die Gefahr, dass man von einem Boot in Luv an der Wende zur rechten Bahnseite gehindert wird und dann gezwungen wird weiter nach links zu fahren als man eigentlich beabsichtigte.

 

 

Der Kampf um den besten Platz beim Startboot

Unabhängig von der Lage der Linie ist der Startplatz direkt neben dem Startboot meist der beliebteste. Die meisten Boote versuchen direkt neben dem Startschiff auf der rechten Seite der Linie zu starten. Das liegt einerseits daran, dass es beim Startboot am einfachsten ist den Abstand zur Startlinie abzuschätzen, andererseits daran, dass nach einem Start beim Startschiff wesentlich schneller Wendefreiheit erreicht werden kann. Das ist speziell dann ein großer Vorteil, wenn dein Plan vorsieht auf der rechten Seite des Kurses zur Luvtonne zu fahren.

Es ist äußerst schwierig, Tipps zu einem Start beim Startboot zu geben, denn die wichtigste Kompetenz für einen optimalen Start am rechten Ende der Startlinie ist Erfahrung und die kann man bekanntlich nicht lernen. Man muss vorausschauen und abschätzen wie sich die Situation in den nächsten Sekunden und Minuten entwickeln wird. Dennoch kann es sein, dass die Gegner Unvorhergesehenes machen, oder sogar die Regeln verletzten. Cool bleiben, nicht ablenken lassen, die geänderte Situation binnen weniger Sekunden analysieren und dann die richtigen Entscheidungen treffen. Erfahrene Segler erkennen schon Minuten vor dem Start, wenn die Positionierung zur Annäherung nicht optimal ist. Dadurch können sie noch entsprechend reagieren, während weniger erfahrene Segler in die Falle tappen und letztendlich in zweiter Reihe, bedrängt von Booten in Luv und Lee, starten.

Das Wichtigste ist das Timing. Nichts ist schlechter als zu früh an der Startlinie anzukommen. Oft sieht man Segler, die sich aus guten Positionen einfach zu früh an die Linie annähern. In den letzten Sekunden vor dem Start sind sie nur mehr damit beschäftigt, Fahrt aus dem Schiff zu nehmen, anstatt sich auf die Beschleunigung des Bootes zu konzentrieren und mit maximaler Geschwindigkeit die Startlinie beim Startsignal zu queren.

Doch nun genug von Fehlern und Problemen beim Start in der nähe des Startbootes. Was können wir tun um die Lernkurve zu beschleunigen und schneller zu den guten Startbootstartern zu gehören?

Das Timing kann man üben. Dazu braucht man nicht einmal einen Segelpartner. Es genügt eine Boje und eine Stoppuhr. Man stoppt zwei Minuten und versucht sich so eng wie möglich zur Boje hinzustellen um innerhalb dieser zwei Minuten die Boje möglichst hoch am Wind zu erreichen. Gegen Ende der zwei Minuten sollte je nach Bootsgröße und Gewicht noch 2 - 20 Meter Abstand zur Boje sein, um noch voll beschleunigen zu können (2 Meter bei einem kleinen Boot wie einem Laser, 20 Meter bei einer Yacht mit mehreren Tonnen).

In der folgenden Animation sieht man, wie wichtig die Positionierung in der Vorstartphase ist:

 

Grün stellt sich relativ hoch hinter dem Startschiff an und erkennt zu spät die Gefahr, die von Rot und Braun droht. Da an der Startlinie die Regel 18 der WR nicht gilt, müssen Rot und Braun keinen Raum geben und können Grün zwingen seinen Start abzubrechen. Grün muss dann in Luv des Startbootes vorbei fahren und mit einer zusätzlichen Wende und Halse hinter den meisten anderen Booten neu starten. Besser wäre es für Grün gewesen die Geschwindigkeit zu drosseln und hinter Braun und Rot zu queren und zu versuchen bei diesen Booten eine Überlappung in Lee herzustellen. Auch wenn Rot und Braun diesen Angriff abgewendet hätten und Grün seinen Angriff abbrechen hätte müssen, wären alle drei Boote nach diesem Manöver weiter in Lee gewesen und Grün wäre nicht mehr oberhalb der Layline positioniert. Einem guten Start von Grün wäre nichts mehr im Wege gestanden.

Rot befindet sich ebenfalls etwas oberhalb der Layline, erkennt aber rechtzeitig die Gefahr, die von Braun ausgeht. Es verlangsamt sein Boot und quert das Heck von Braun. Rot erkennt, dass Braun bereits die Geschwindigkeit drosseln muss, um nicht zu früh an der Linie zu sein. Dadurch und durch den zusätzlichen Schwung durch das Abfallen gelingt es Rot eine Leeüberlappung bei Braun herzustellen. Leider kommt Rot durch dieses Manöver etwas zu nahe an Gelb. Nach dem Start hätte es mit den Abwinden von Gelb zu kämpfen. Zum Glück von Rot entscheidet sich Gelb seinerseits etwas voller zu segeln um das türkise Boot unter seine Kontrolle zu bringen.

Braun hat einen nahezu optimalen Ausgangspunkt für die Annäherung an die Startlinie gewählt. Nicht zu hoch, aber hoch genug um mit guter Fahrt das Luvende der Startlinie erreichen zu können. Kein Boot in Lee. Bereits bei Position 1 kann man sehen, dass Braun einen guten, wenn nicht sogar den besten Start haben wird. Auf den Angriff von Rot reagiert Braun richtig und versucht durch Luven etwas Abstand zu Rot zu erlangen. Braun erliegt nicht der Versuchung seine optimale Position aufzugeben, um die Leeüberlappung von Rot zu verhindern.

Gelb verzichtet von Haus aus auf die optimale Position als erstes Boot in Lee des Startbootes und stellt sich unterhalb der Layline an. Nicht sehr aggressiv, aber relativ sicher. An dieser Stelle gibt es mehr Manöverraum und die Möglichkeit rechtzeitig auf Unvorhergesehenes reagieren zu können ist wesentlich größer, als direkt beim Startschiff. Gelb kann auch relativ unbehelligt direkt beim Startsignal mit voller Fahrt die Linie überqueren. Aus Angst in die Abdeckung von Rot zu kommen, fährt Gelb nach dem Start etwas voller, um freien Wind zu behalten. Der Nachteil an der Position von Gelb ist, dass es keine Wendefreiheit hat. Der Plan von Gelb sieht vor, die Startkreuz eher auf der rechten Bahnseite zu segeln. Gelb verfolgt seinen Plan konsequent und will nicht abwarten bis Rot im gestörten Wind weit genug zurückfällt, um vor Rot eine Wende nach rechts machen zu können. Aus diesem Grund fällt Gelb unmittelbar nach dem Start ab, um genug Platz zu erlangen hinter Rot auf die bevorzugte Seite zu queren.

Der Kampf um das Pinend

Ist die Linie links bevorzugt, wird das Pinend heiß umkämpft sein. Das Hauptproblem beim Pinend Start ist, dass nur ein Boot aus dem ganzen Feld einen optimalen Start haben kann. Die folgende Animation zeigt den typischen Verlauf eines Kampfes um die beste Position am Pinend. Jedes der beiden Boote versucht die Leestellung beim jeweils anderen Boot zu erreichen. Dadurch ergibt sich die typische Schlangenlinienfahrt.

Beim letzten Versuch von Rot sich in Lee von Grün zu positionieren, ist Rot unter die Layline zur linken Startlinienbegrenzung geraten. Grün hat auf Grund seiner Peilung zum verankerten Schlauchboot rechtzeitig erkannt, dass eine neuerliche Verteidigung seiner Position nicht mehr sinnvoll ist, weil er dadurch unterhalb der Layline zum Pinend geraten würde.

Start mit Wind von links

ist wirklich nur in Ausnahmesituationen eine Option und auch dann nur, wenn man eine gute Versicherung hat. Versuchen kann man es in Ausnahmefällen, wenn die Startlinie extrem schlecht liegt.

Ein weiteres Kriterium neben der Lage der Linie für einen erfolgreichen Start mit Wind von links ist die Bootsbreite. Bei sehr breiten Booten, wie zum Beispiel Katamaranen, ist es einfacher einen Start mit Wind von links am Pinend zu machen. Der Grund dafür ist, dass breite Boote weiter rechts starten müssen, um an der Pinend Bahnmarke vorbei zu kommen ohne einen Frühstart zu riskieren.

 

Mashmallow

Die Startlinie ist nicht immer gerade

Abbildung 107Die Abbildung 107 zeigt einen typischen Durchhang einer Startlinie in der Mitte. In diesem Fall hat das gelbe Boot den Durchhang geteilt. Das gelbe Boot ist weit vorgefahren. Dadurch ermuntert es die Boote in seiner Umgebung ebenfalls etwas weiter vorzufahren.

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Start

Die Startphase beginnt ca. 1 Minute vor dem Start und dauert bis zum Startsignal. Unser Ziel in dieser Phase ist mit maximaler Geschwindigkeit an der geplanten Position über die Linie zu gehen.

Verteidigen

Am Beginn der Startphase ist das Wichtigste unsere Position zu verteidigen. Dafür ist es entscheidend, dass unser Boot jederzeit manövrierfähig bleibt. Nur so können wir auf Angriffe der umliegenden Boote reagieren. Nicht ist frustrierender als einen erkämpften Platz einem von hinten kommenden in Lee überlappenden Boot überlassen zu müssen, nur weil wir die Lücke nicht rechtzeitig schließen konnten. In dieser Phase dürfen wir auch nicht zu nahe an die Startlinie geraten, denn das bedeutet wir müssen Fahrt aus dem Schiff nehmen und verlieren damit unsere Manövrierfähigkeit und damit unsere Verteidigungsbereitschaft. Auch brauchen wir Platz zur Linie um das Schiff in den Sekunden vor dem Start auf Zielgeschwindigkeit beschleunigen zu können. Natürlich ist das alles abhängig vom Schiff auf dem wir sitzen. Mit einem Laser kann/muss man viel näher zur Linie fahren, als mit einem 8 Tonnen schweren Cruiser Racer. Je mehr Gewicht unser Boot hat, umso weiter müssen wir von der Linie entfernt bleiben, um Platz für die Beschleunigungsphase zu haben. Auch der Winkel zum Wind ist abhängig von der Schiffsgröße. Mit einer kleinen leichten Jolle kann man sich nahezu gegen den Wind stellen und die Manövrierfähigkeit bleibt trotzdem erhalten, da mit einer kurzen abrupten Ruderbewegung der Anstellwinkel des Bootes binnen Sekundenbruchteilen geändert werden kann. Bei einer schweren Yacht ohne Fahrt gibt es keine schnelle Möglichkeit den Anstellwinkel des Bootes zum Wind zu ändern.

Beschleunigen

Unser Ziel muss es sein beim Startsignal mit maximal möglicher Geschwindigkeit die Startline zu queren. Die Länge der Beschleunighungsphase hängt vom Bootsgewicht ab. Bei einem schweren, großen Boot muss man viel früher beginnen zu beschleunigen als bei einem kleinen leichten Boot.

Diese Beschleunigungsphase und das Timing beim Start kann man gut üben. Man braucht dazu eigentlich nur eine kleine verankerte Boje. Dann nähert man sich von hinten an einer fiktiven Layline an diese Boje an. Ziel des Trainings ist es zu einer vorher bestimmten Zeit mit maximalem Speed mit dem Bug bei der Boje zu sein. Dieses Training sollte man bei allen Windstärken machen, bis das Timing in Fleisch und Blut übergegangen ist. Mit einem anderen Bootstyp ändern sich natürlich die Relationen und neues Training ist erforderlich.

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Nachstartphase

Die Nachstartphase beginnt unmittelbar nach dem Start und dauert so lange bis man mit freiem Wind Richtung Luvbahnmarke segelt. Das Verhalten in der Nachstartphase ist davon abhängig wie unser Start gelungen ist. Beginnen wir einmal beim schlechtesten Fall. Es wird ein Einzelrückruf angezeigt und wir haben ein schlechtes Gewissen.

Frühstart

Jetzt ist der Fall eingetreten, der zwar nicht sehr angenehm ist, aber zum Regattasegeln dazu gehört: Wir haben einen Frühstart. Schlecht wäre es, erst in diesem Moment nachzudenken, ob der Wettfahrtleiter beim Vorbereitungssignal die Flagge P oder I gesetzt hatte.

Das Crewmitglied das für die Startzeitnehmung verantworlich ist, sollte auch die Aufgabe übernehmen zu wissen, welche Startstrafe am Startschiff signalisiert wurde (P, I, Z, U...).

Bereits in der Startphase sollten wir uns eine Escapestrategie für den Fall des Frühstarts überlegen. Wenn wir erst nach dem Start überlegen, wie wir am schnellsten auf die Vorstartseite zurückkommen können, ohne die anderen zu behindern, verstreichen weitere wertvolle Sekunden. Manchmal, wenn ein Frühstart unvermeidlich scheint, ist es auch sinnvoll den regulären Start abzubrechen und bewusst früher über die Linie zu fahren. Dadurch haben wir die Möglichkeit schneller an die Vorstartseite zurückzukommen.

Sei ein Schwein

Segeln ist ein Gentlemen Sport. Oft rentiert sich faires Verhalten gegenüber einem Gegner, weil man vielleicht in einer späteren Situation wieder auf das Wohlwollen dieses Gegners angewiesen ist. Aber das gilt nicht für die unmittelbare Nachstartphase! Da gilt das Prinzip Fressen oder Gefressen werden. Hast du die Möglichkeit, einen ober dir fahrenden Konkurrenten abzuzwicken, dann tue es. Falls nicht, wirst du es in der nächsten Bö bereuen, wenn dein Gegner etwas früher beschleunigen kann und dann auf dich runter kommt, um dich mit seiner Abdeckung zu töten. Genauso musst du dich verhalten, wenn du einen Gegner knapp in Lee hast. Gibt es die Möglichkeit auf ihn abzufallen, dann tu es. So kann aus einem nur einige Zentimeter großen Startvorsprung schnell ein Vorsprung von einigen Bootslängen werden, denn dein Gegner wird im Normalfall zwei zusätzliche Wenden brauchen, um sich wieder befreien zu können.

In der folgenden Animation sind Blau und Gelb beim Start gleich auf. Gelb nutzt einen geringen Geschwindigkeitsvorteil in der Nachstartphase aus (da kann es schon reichen, dass Blau sich kurz in einer Welle festgestampft hat), um auf Blau abzufallen. Blau befindet sich im gestörten Wind und kann nur mehr hinter Gelb wegwenden. Hätte Gelb diese Situation nicht sofort zu seinen Gunsten ausgenutzt, wäre er selbst in Gefahr geraten, in den gestörten Wind von Blau zu kommen. Nachdem Blau nun keine Gefahr mehr darstellt, kann sich Gelb jetzt voll darauf konzentrieren maximale VMG Richtung Luvbahnmarke zu fahren.

 

Hier befinden sich alle drei Boote gleichauf. Grün erkennt die Gefahr, die von Gelb droht rechtzeitig und nutzt alle Möglichkeiten näher an Gelb heranzukommen. Letztendlich gelingt es ihm die sichere Leestellung bei Gelb zu erreichen. Gelb befindet sich im gestörten Wind und hat nur mehr die Option zu wenden und sein Glück auf der rechten Bahnseite zu suchen.

Vorteile sichern

Bist du auf der "guten Seite" gestartet, musst du versuchen diesen Streckenvorteil ins Trockene zu segeln. Eine schnelle Wende bringt dich zwischen Hauptfeld und Verfolger. Wer so lange zögert bis der Wind wieder zurück dreht hat seinen Vorteil verspielt.

Recovern

Jedem, auch einem Weltmeister, kann einmal ein Start misslingen. Aber bleibe aktiv, versuche zu agieren und deinen Plan an die Situation anzupassen. Versuche so schnell wie möglich freien Wind zu erlangen. Wenn dein Selbstvertrauen passt, wirst du durch einige gute Schläge in der Nachstartphase wieder Anschluss an das Feld finden.

Gelb hat den Start verloren und befindet sich nach dem Start in der gestörten Windzone von Grün. Durch zwei Wenden befreit sich Gelb aus dieser Situation und hat wenige Minuten nach dem Start schon wieder freien Wind.

Bleib bei deinem Plan

Du hast dir in der Vorstartphase gut überlegt wo du deine Startkreuz fahren willst. Dein Plan ist gut. Also schmeiß ihn nicht gleich über den Haufen, nur weil dein Start dir nicht erlaubt deinen Plan sofort umzusetzen. Meistens gibt es eine Möglichkeit ohne viel Verlust bei seinem Plan zu bleiben. Das zeige ich dir an Hand der folgenden beiden Animationen.

Boot violett möchte eigentlich seine Kreuz auf der rechten Bahnseite beginnen. Da Boot Grün direkt rechts neben ihm gestartet ist, hat Violett keine Wendefreiheit. Bliebe Violett jetzt passiv, müsste es gemeinsam mit Boot Grün auf die linke Bahnseite weitersegeln und warten bis Grün wendet. Violett verfolgt stattdessen seinen Plan aktiv, fällt etwas ab und verlangsamt sein Boot, bis der Abstand zu Grün groß genug ist eine Wende zu machen und hinter dem Heck von Grün durch zu segeln. Violett fällt durch dieses Manöver zwar etwas zurück. Aber falls sein Plan richtig und begründet war, wird es voraussichtlich dennoch etliche Bootslängen vor Grün an der ersten Bahnmarke eintreffen. Aber Achtung: Es empfiehlt sich erst im letzten Moment abzufallen um Grün die Möglichkeit zu nehmen in Luv voraus von Violett zu wenden.

 

Im folgenden Fall möchte Boot Violett seine Startkreuz auf der linken Seite beginnen, wird aber von Boot Grün, das einen perfekten Pinend Start hatte, daran gehindert seinen Plan auszuführen, da der Verlust in den Abwinden von Boot Grün einfach zu groß wäre. Anstatt zu wenden und seinen Plan aufzugeben, entscheidet sich Violett offensiv zu bleiben, fällt hinter dem Heck von Grün ab, bis es freien Wind hat und kann so seinen Plan auf der linken Bahnseite zu bleiben, weiter verfolgen.

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