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Langstrecken

Von manchen geliebt, von vielen gehasst. Erfolgreich kann man nur sein, wenn man Langstreckenregatten nicht als Feind betrachtet, sondern als faszinierende Herausforderung.

Die folgenden Überlegungen beziehen sich auf Wettfahrten die zumindest länger als 12 Stunden, aber auch bis zu mehreren Tagen dauern können, egal ob diese Langstreckenregatten nur Teil einer gemischten Wettfahrtserie bestehend aus einigen kurzen Wettfahrten und einer oder mehreren Langstreckenwettfahrten ist, oder die Langstreckenwettfahrt eine eigene unabhängige Veranstaltung ist. Nicht behandelt werden im folgenden Langstreckenregatten über mehrere Wochen oder Monate, da es sich hier um einen nahezu anderen Sport handelt, mit gänzlich anderen Anforderungen der hier nicht behandelt werden kann und von dem wir auch nicht viel wissen.

Die Grundlegenden taktischen Überlegungen bei Langstrecken sind im Prinzip die gleichen wie bei Kurzregatten. Hier einige zusätzliche Überlegungen

Konservativere Taktik?

Meist gibt es bei Langstreckenwettfahrten, die im Zuge von "normalen" Regatten gefahren werden einige Besonderheiten bei der Wertung um die Bedeutung und Wichtigkeit der Langstreckenwettfahrt zu erhöhen. Von doppelten Punkten, Zwischenwertungen bis nicht streichbar reichen hier die Ideen der Veranstalter. Diese höhere Wertigkeit der Langstreckenregatta gibt dir zwar die Chance deine Gesamtposition zu verbessern, aber birgt auch das Risiko die gesamte Regatta zu vergeigen. Je höher die Wertigkeit der Langstrecke desto konservativer sollte deine Taktik sein. Versuche nicht mit Gewalt zu gewinnen, sondern das Risiko so zu kalkulieren, dass du ein annehmbares Ergebnis nach Hause fährst, Im Regelfall hast du dann in den Kurzwettfahrten viele Chancen ganz nach vorne zu fahren. In den meisten Fällen sind die Gewinner der Langstreckenwettfahrt ohnedies keine Anwärter auf den Gesamtsieg. Das ist deshalb so, weil man üblicherweise hohes Risiko gehen muss, um eine Langstrecke zu gewinnen.

 

 

Vorbereitung

Tornadostart

Natürlich ist eine gute Vorbereitung bei jeder Wettfahrt erforderlich, der Aufwand der Vorbereitung bei einer Langstrecke ist aber ungleich höher, als bei anderen Wettfahrten. Gründe dafür sind die längere Wettfahrtdauer, die Tatsache, dass meist auch in der Nacht gesegelt wird und die zusätzlichen navigatorischen Aspekte, die sich dadurch ergeben, dass meist um natürliche Wendemarken gesegelt wird und meist Untiefen Insel, oder Landzungen dort sind, wo man eigentlich segeln möchte.

Ausschreibung und Segelanweisung

Ausschreibung und Segelanweisung enthalten oft spezielle Regeln für die Langstrecke, die von denen, die wir üblicherweise bei den Kurzwettfahrten benutzen abweichend sein können. Ein genaues Studium der Unterlagen ist unbedingt erforderlich. Sinnvoll ist es auch, als verantwortliches Crewmitglied (meistens der Taktiker, oder der Skipper) alle relevanten Details in ein kleines Notizbuch zu schreiben, um für alle Fragen die während einer Wettfahrt auftauchen schnell die richtige Antwort bereit zu haben. In der Folge einige Beispiele von Fragen, die immer wieder auftauchen:

- Wie geht der Kurs (Welche Bahnmarken sind wie zu runden)?

- Wo liegt das Ziel?

- Gibt es ein Zeitlimit?

- Gibt es Wertungslinien oder Zwischenziele?

- Wie wird gewertet?

- Kann die Langstrecke gestrichen werden?

- Wann ist Sonnenuntergang, wann ist Sonnenaufgang (hat üblicherweise eine Bedeutung für die Lichterführung)?

- Gelten in der Nacht die Wettfahrtregeln, oder andere Ausweichregeln, wie zum Beispiel die Kollisionsverhütungsregeln?

- Gibt es spezielle Frühstartstrafen?

....

Wer erst beim Auftauchen einer dieser Fragen zu den Segelanweisungen oder zur Ausschreibung greift, sollte diese Seite nochmals lesen.

Die Yacht und ihre Ausrüstung

Natürlich bereiten wir unsere Boote gut auf ein Rennen vor. Aber oft wird den speziellen Bedürfnissen, die Segeln bei Nacht bedeutet nicht genügend Augenmerk geschenkt. Das beginnt schon zu Haus, wenn wichtige Ausrüstung nicht vorhanden ist, die vor Ort oft nicht leicht zu besorgen ist. Oft schreibt auch die Ausschreibung für Langstreckenregatten zusätzliche Ausrüstung vor.

Hier nur einige Stichworte:

- Rettungsinsel

- Sturmsegel

- Zusätzliche Sicherheitsleinen

- Taschenlampen/Stirnlampen

- Räucherstäbchen (zeigen auch bei keinem Wind die Richtung ;-))

- Rotlicht

- Thermoskanne

Bewährt hat sich auch eine Ausrüstungscheckliste, die die gesamte erforderliche Ausrüstung enthält. Wichtig ist auch unmittelbar nach der Langstreckenwettfahrt, eventuell im Zuge der Nachbesprechung diese Liste zu ergänzen. Dadurch erhältst du mit der Zeit eine perfekte Liste.

Aber auch vor Ort muss das Boot auf die Langstrecke vorbereitet werden. Auch dazu einige Stichworte:

- Packliste - spart kostbare Zeit beim Suchen von Ausrüstungsgegenständen und reduziert den Einsatz von Taschenlampen.

Das Wetter

Auch hier gelten prinzipiell keine anderen Grundsätze als bei Kurzwettfahrten, allerdings sind die Auswirkungen falscher Wetterprognosen ungleich stärker. Grund dafür ist die Tatsache, dass die einzelnen Bahnschenkel wesentlich länger sind, als bei Kurzwettfahrten. In der Regel sollte man bei Langstreckenwettfahrten die professionelle Hilfe eines externen Wetterroutings in Anspruch nehmen, außer man hat einen ausgebildeten Meteorologen an Bord und alle erforderlichen technischen Hilfsmittel.

Essen und Trinken

Eine warme Suppe für die Nacht kann schon vor der Wettfahrt in der Thermoskanne vorbereitet werden. Genügend Kraftriegel sollten immer an Bord sein. Hunger vermindert die Leistungsfähigkeit. Selbstverständlich muss auch genügend Trinkwasser mitgenommen werden. Lieber ein paar Kilo mehr, als einen Engpass beim Trinkwasser. Speziell Frauen neigen dazu zu wenig zu trinken, weil es für sie nicht so einfach ist Wasser zu lassen. Ganz falsch. Rechtzeitig Wasser zu trinken ist unbedingt erforderlich. Und zwar regelmäßig. Wenn man bereits Durst hat, ist es bereits zu spät und der Leistungsabfall ist vorprogrammiert, Am besten ist es ein Mannschaftsmitglied zu bestimmen, das den "Wenigtrinkern" regelmäßig die Wasserflasche aufdrängt.

Nur Vollständigkeitshalber: Alkohol hat beim Regattasegeln nichts verloren. Das Bier trinkt man, wenn man wieder im Hafen ist.

Wachplan

Ob ein Wachplan erforderlich ist, oder nicht hängt von den Umständen ab. Bei Langstrecken, die kürzer als 24 Stunden dauern, kann man getrost auf einen Wachplan verzichten, was nicht bedeutet, dass alle 24 Stunden voll aktiv sind. Aber jeder kann Pausen ausnutzen für die Regeneration. Bei bestimmten Tätigkeiten, die hohe Konzentration erfordern sollte man sich abwechseln. Im Gegensatz zur Kurzstrecke ist es auch sinnvoll die Positionen zu wechseln.,

Die Konzentration bleibt dadurch länger aufrecht. Bei der Teambesprechung im Vorfeld sollte schon geklärt werden, wer welche Positionen Fahren kann und will. nach oben

Im Team zum Erfolg

Das gilt natürlich nicht nur für Langstreckenregatten, aber hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Segeln auf Yachten ist ein Mannschaftssport. Der weltbeste Steuermann kann ohne guter Mannschaft keinen Sieg einfahren. Auch lobende Worte nach einem gelungenen Manöver können Wunder wirken und neu motivieren. Läuft es einmal nicht nach Wunsch, sollte man sich die Kritik bis zur Nachbesprechung sparen. Am Besten ist es, um nichts zu vergessen, alles was verbesserungsfähig ist in ein kleines Notizbuch zu schreiben. Wir lernen aus Fehlern. Die Nachbesprechung ist der richtige Zeitpunkt um Kritik vorzutragen, Fehler zu analysieren und Verbesserungen zu erarbeiten. Aber wichtig dabei immer sachlich und zielorientiert bleiben. Die Einleitung: "Beim Spi bergen macht das Vorschiff immer Scheiße" ist vielleicht nicht unbedingt zielführend. Sagt man etwa: "Es ist euch sicher aufgefallen, dass es beim Spi bergen am Vorschiff oft Probleme gibt. Habt ihr eine Idee woran das liegt und wie wir das verbessern könnten." gibt man den betroffenen die Chance nicht sofort in die Verteidigungsposition gehen zu müssen und an der Verbesserung mitzuarbeiten.

Abgerechnet wird am Schluss

TornadostartNachdem wir uns bisher eher mit Dingen der Vorbereitung beschäftigt haben geht es hier um die Taktik. im Gegensatz zu Kurzwettfahrten gibt es bei Langstrecken selten einen Start Zielsieg. Das hat unterschiedliche Gründe:

Einerseits wechseln im Zuge einer Langstreckenwettfahrt mehrere Male die Windbedingungen, ja es gibt auch oft Flautenperioden, bei denen jeder Wettfahrtleiter eine Kurzwettfahrt abbrechen würde. Aber nach jeder Flautenperiode kommt wieder Wind. Diese wechselhaften Bedingungen geben dir die Chance wieder ins Geschehen zurückzufinden, auch wenn du schon abgeschlagen warst.

Andererseits ist es schwierig die Konzentration über einen längeren Zeitraum aufrecht zu halten. Aber darüber haben wir ja schon im Kapitel "Im Team zum Erfolg" ausgiebig gesprochen.

Deshalb gilt in der Langstrecke der Grundsatz "Abgerechnet wird am Schluss" noch viel mehr als bei Kurzwettfahrten. Falls einmal etwas nicht aufgeht und vor dir sind mehr Konkurrenten, als du eigentlich erwartet hast gib nicht auf. Deine Chance kommt noch. Sei nach vorne orientiert. An Land hast du dann genügend Zeit deine Wettfahrt zu analysieren.

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Langstreckentaktik

Eine Insel kann die Rettung sein

Speziell bei Langstreckenrennen kommt es immer wieder vor, dass auf einem langen Vorwindkurs Boote vor uns sind und jede Halse mitmachen, um immer zwischen der nächsten Bahnmarke und uns zu bleiben. Natürlich aus deren Sicht ein legitime Verteidigung ihrer besseren Position. Aber was können wir als Verfolger machen? Sollten eine Insel am Weg sein, die man auf beiden Seiten passieren kann, gibt es eine gute Möglichkeit anzugreifen. Wir müssen unsere Gegner nur auf die andere Seite der Insel locken. Wie macht an das:

Strategie festlegen

Auf welcher Seite der Insel wären wir vorbeigefahren, wären keine Boote um uns herum. Jetzt wissen wir wo wir fahren wollen.

Das Boot vor uns auf die schlechtere Seite locken

Dazu fahren wir zunächst einen Kurs deutlich auf die Seite auf der wir die Insel nicht passieren wollen. Das Boot vor uns wird voraussichtlich versuchen zwischen uns und der nächsten Bahnmarke zu bleiben und ebenfalls diesen Kurs segeln.

Graphik nicht verfügbar!

Zur bevorzugten Seite fahren

Im letzten möglichen Moment halsen wir und fahren auf die andere Seite der Insel. Das Boot vor uns hat jetzt nur die Möglichkeit weiter zu segeln. Damit hat es die Kontrolle über uns verloren und sofern unsere Strategie die richtige war, haben wir eine gute Chance unseren Gegner zu überholen, oder zumindest den Abstand zu verkleinern.

Hier eine Animation, die den gesamten Ablauf dieser Taktikvariante zeigt:

Das Ganze funktioniert natürlich nicht nur mit Inseln, man kann auch große Schiffe, Fischer oder was auch immer sonst noch auf dem Meer herum schwimmt in seine Taktik mit einbeziehen.